Digitale Transparenz für die AES
Jörg Scheer
Position: Geschäftsführer HARTING Customised Solutions
- Firma: HARTING Technologiegruppe
Sprechen wir über die All Electric Society (AES), begegnet uns häufig der Begriff der zwei zentralen Lebensadern: Energie und Daten. Diese beiden Ressourcen sind nicht nur für den Betrieb elektrifizierter Systeme unverzichtbar, sondern auch für die Optimierung und Automatisierung industrieller Prozesse. Während die Erzeugung, Speicherung und Nutzung erneuerbarer Energien als Grundlagen der ökologisch nachhaltigen Energieversorgung gelten, kann man die Rolle der Daten leicht unterschätzen. Doch in einer zunehmend digitalisierten Gegenwart wird klar, dass „Data“ eine unverzichtbare Ergänzung zur Lebensader „Power“ darstellt.
Energie und Daten: Eine synergetische Beziehung
Die Integration von Energie und Daten stellt in der All Electric Society einen entscheidenden Faktor für die so wichtige Effizienz bei der Erzeugung, Speicherung, Verteilung und Nutzung von Energie dar. Alles, was elektrifiziert werden kann, wird auch elektrifiziert, davon bin ich überzeugt. Doch ohne die zugrunde liegenden Daten können wir die Effizienz der elektrifizierten Systeme nicht vollständig ausschöpfen.
Daten ermöglichen die Überwachung und Steuerung von Prozessen in Echtzeit, was nicht nur den Stromverbrauch optimiert, sondern auch neue Geschäftsmodelle schafft.
In der Architektur der All Electric Society wird Connectivity zunehmend entscheidend. Die Zukunft sieht vor, dass traditionell isolierte Sektoren – wie die Industrie, die Energieversorgung und die Mobilität – durch intelligente Datenkommunikation vernetzt werden. Die Zukunft der Connectivity wird dabei durch intuitive Schnittstellen und standardisierte Protokolle bestimmt.
Herausforderungen der Sektorenkopplung
Denn die Sektorenkopplung hat das Potenzial, die Effizienz der Energienutzung erheblich zu steigern. Gleichzeitig stehen wir bei der praktischen Umsetzung vor großen Herausforderungen. Das größte Hindernis ist die Standardisierung von Kommunikationsprotokollen und Schnittstellen. Aktuell sind viele Systeme und Anwendungen mit proprietären Protokollen ausgestattet, die eine nahtlose Kommunikation erschweren. Es ist entscheidend, dass sich die relevanten Akteure über sektorübergreifende Standards verständigen, um die Interoperabilität zu maximieren.
Diese Hürden sind besonders im Bereich der Daten spürbar. Während die physischen Energieanschlüsse oftmals vielfältig und individuell gestaltet sind, müssen die Datenschnittstellen vereinheitlicht werden. Es muss möglich sein, dass wir unabhängig davon, ob wir im privaten oder professionellen Bereich arbeiten, einheitliche Protokolle nutzen können.
Die physische Infrastruktur als Fundament
Bei der Umsetzung der Sektorenkopplung ist aber auch die bestehende physische Infrastruktur nicht zu vernachlässigen. Der Ausbau von Energienetzen wird in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle einnehmen, da sich der Energiebedarf bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird. Die Energienetze müssen daher so weiterentwickelt werden, dass sie nicht nur den steigenden Bedarf decken, sondern auch eine effiziente Verteilung ermöglichen.
Gleichzeitig benötigen wir eine bessere Dateninfrastruktur. Insbesondere der Glasfaserausbau ist essenziell, um die Datenübertragung mit der notwendigen Bandbreite, Geschwindigkeit und Stabilität für die Sektorenkopplung zu gewährleisten. Diese Infrastruktur muss zwingend auf die neuen Anforderungen der Digitalisierung abgestimmt werden, um eine Echtzeit-Datenverarbeitung zu ermöglichen. Der Fortschritt dabei ist regional unterschiedlich. Es gibt Länder mit einer bereits sehr fortschrittlichen Infrastruktur während andere noch Nachholbedarf haben.
Connectivity-Lösungen für die eine Verbindung
Um die Anpassungsfähigkeit der Dateninfrastrukturen zu garantieren, sind neue Connectivity-Lösungen erforderlich. In der Zukunft werden modulare und steckbare Systeme eine zentrale Rolle spielen. Der Trend geht zu einem einheitlichen Standard, der nicht nur die Flexibilität, sondern auch die Bedienbarkeit erhöht. Dabei stellt Single Pair Ethernet (SPE) eine vielversprechende Lösung dar, die es ermöglicht, Energie und Daten über ein Adernpaar zu übertragen.
Ideal: Standard(s)
Ideal: Standard(s)
In diesem Kontext möchte ich noch einmal betonen, wie wichtig die Standardisierung von Kommunikationsprotokollen und offenen Schnittstellen für die Verwirklichung der All Electric Society ist. Ohne einheitliche Protokolle wird die Integration und damit die Effizienz der Sektorenkopplung enorm erschwert. Die Herausforderungen umfassen bei diesem Thema nicht nur technische Aspekte, sondern auch politische und ökonomische Rahmenbedingungen, die den Fortschritt hemmen können. Doch die All Electric Society ist kein fernes Zukunftsbild, sondern eine Realität, die bereits im Entstehen begriffen ist. Unternehmen und Akteure in verschiedenen Sektoren müssen die Herausforderungen der Standardisierung und Implementierung gemeinsamer Protokolle annehmen, um die Vorteile der Sektorenkopplung zu nutzen und die Effizienz ihrer Systeme zu steigern.
Ein besonders vielversprechender Protokollstandard für die Daten ist Ethernet. Es bietet die Grundlage für eine robuste Datenkommunikation verbunden mit der Flexibilität und Kompatibilität, um Sektoren optimal miteinander zu verknüpfen.
In der Symbiose von Energie und Daten liegt daher der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft – der All Electric Society. Die Zeit drängt, und der Weg führt nur über eine enge Zusammenarbeit und mutige Innovationsfreude aller Beteiligten.