Autonomie auf dem Acker
Stefan Kiefer
Position: Leiter Pflanzenbauinnovation bei Amazone
Sensorik, Automatisierung und datenbasierte Prozesse verändern die Arbeit auf dem Feld grundlegend. Bereits seit den 1990er‑Jahren hält Automatisierung Einzug in die Landtechnik.
Ein frühes Beispiel ist die automatische Gestängeführung an Pflanzenschutzspritzen, die dank Ultraschall selbsttätig die Arbeitshöhe reguliert. In den 2000er‑Jahren folgte die automatische Teilbreitenschaltung (Section Control), die Überlappungen vermeidet und heute in vielen Regionen Standard ist. Diese Systeme entlasten den Fahrer spürbar und sorgen für präzise, reproduzierbare Arbeitsergebnisse.
Mit der Digitalisierung rücken nun ganze Arbeitsprozesse in den Fokus. Systeme wie EasyTram planen Fahrgassen bereits vorab über Geodaten. Die Maschinen selbst arbeiten weiterhin vollständig autark – ein Muss, da landwirtschaftliche Flächen oft kein stabiles Netz bieten. Alle Algorithmen laufen daher auf dem Gerät, das bei Bedarf lediglich Statusdaten sendet.
Einen technologischen Meilenstein stellt Amazones jüngste Düngerstreuer‑Generation dar.
Insgesamt 16 Radarsensoren überwachen die Ausbringung
Je sieben Sensoren pro Seite erfassen im ArgusTwin den Abwurfwinkel und sichern eine präzise seitliche Verteilung. Zwei weitere Sensoren messen zusätzlich die tatsächliche Wurfweite und gleichen die Flugbahn der Körner in Echtzeit mit Referenzdaten ab.
So lässt sich die Quer- und Längsverteilung exakt steuern und erstmals dauerhaft überwachen. Weichen Werte ab, fordert das System den Fahrer zu einem Streutest auf. Alle Daten fließen in die Cloud und ermöglichen Optimierungen über den gesamten Lebenszyklus – ein Paradigmenwechsel gegenüber früheren statischen Einstelltabellen.
Diese permanente Rückkopplung eröffnet neue Potenziale
Amazone kann Algorithmen verbessern, Händler erhalten präzise Diagnosedaten, und sogar Düngerproduzenten profitieren von Rückmeldungen zur Qualität ihrer Chargen. Die Maschine wird damit im Laufe der Nutzung besser – ein Unterschied zur klassischen industriellen Automatisierung, in der Hardware meist nur einmalig konfiguriert wird.
Die Richtung ist klar
Je stärker Prozesse überwacht und abgesichert sind, desto näher rückt die Vollautonomie. In der Bodenbearbeitung sind autonome Einsätze bereits Realität. Beim Düngerstreuer erreicht Amazone laut Kiefer heute rund 99 Prozent Prozessüberwachung. Offene Fragen betreffen vor allem die Umfeldsicherheit bei großen Streuweiten von bis zu 72 Metern. Da Landmaschinen jedoch auf Privatflächen arbeiten, gelten andere Rahmenbedingungen als im Straßenverkehr.
Künstliche Intelligenz spielt aktuell vor allem in Bereichen eine Rolle, in denen Bilddaten verarbeitet werden – etwa bei der Unkrauterkennung über Kameras oder Drohnen. Hier kommen Cloud‑ und zunehmend Edge‑Computing‑Verfahren zum Einsatz. Für andere Funktionen dominiert weiterhin deterministische Regeltechnik, die KI‑gestützte Weiterentwicklung läuft vor allem im Hintergrund.
Die Landtechnik ist heute einer der dynamischsten Innovationsbereiche der Automatisierungswelt. Amazone zeigt, wie Mechanik, Sensorik und Software verschmelzen – und wie Maschinen entstehen, die präziser arbeiten, sich selbst überwachen und mit jeder Saison dazulernen.
Über Amazone
Die Amazone Gruppe zählt zu den führenden Herstellern moderner Landtechnik für Bodenbearbeitung, Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz. Das 1883 gegründete Familienunternehmen mit Hauptsitz in Hasbergen-Gaste entwickelt Maschinen und digitale Lösungen für effiziente, nachhaltige und hochpräzise Landwirtschaft. Weltweit steht Amazone für Innovationskraft – von smarten Assistenzsystemen bis zu vernetzten, autonomiefähigen Maschinen.