Digitale Services werden lernfähig
Andreas Wedel
Position: Direktor Digitale Transformation
- Abteilung: Kompetenzzentrum Digitale Transformation
- Firma: HARTING Technologiegruppe
Von statischer Automatisierung zu lernfähigen Services
Während in den 1980er Jahren Systeme mit fester Logik arbeiteten und über Jahrzehnte unverändert dieselben Ergebnisse lieferten, erwarten wir heute von digitalen Services deutlich mehr: Sie sollen flexibel, lernfähig und kundenorientiert sein.
Die klassische Automatisierung folgte starren Abläufen. Einmal eingerichtet, wiederholten Maschinen ihre Aufgaben deterministisch – auch dann, wenn sie Fehler millionenfach reproduzierten. Moderne Services müssen hingegen auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Zwillingen kontinuierlich dazulernen und sich an wechselnde Anforderungen anpassen.
In der HARTING Technologiegruppe verantwortet das Center of Excellence Digital Transformation unter anderem den Aufbau digitaler Services, die diese neue Art von Automatisierung ermöglichen. Dazu gehören KI‑gestützte Assistenzsysteme, der Han® Konfigurator, automatisierte Engineering‑Prozesse, digitale Wissensdienste sowie der konzernweite Einsatz von digitalen Zwillingen. Ziel ist es, die Brücke zwischen klassischer Maschinenlogik und datengetriebenen, intelligenten Lösungen zu schlagen.
Digital Twin als Schlüsseltechnologie
Im Zentrum steht der digitale Zwilling, bei HARTING konsequent auf Basis der Asset Administration Shell (AAS) realisiert. Er bildet Produkte, Prozesse und Anwendungen umfassend virtuell ab und verknüpft Daten aus Entwicklung, Produktion und Anwendung. Damit wird eine datenfundierte Grundlage geschaffen, um Entscheidungen zu automatisieren, Varianten abzuleiten und Services intelligent zu steuern. Die Zeiten reiner I/O‑Signale sind vorbei – moderne Automatisierung benötigt vollständige, strukturierte Datenmodelle.
Kundenbedürfnisse im Fokus
Die Digitalisierung verschiebt den Schwerpunkt von der reinen Effizienzsteigerung hin zur aktiven Unterstützung des Anwenders. Ingenieurinnen und Ingenieure werden nicht ersetzt, sondern gezielt entlastet: Aufgaben wie das manuelle Überführen technischer Attribute oder das Nachmodellieren von 3D‑Daten lassen sich zunehmend automatisieren. Je weniger Zeit für Routinetätigkeiten gebunden ist, desto mehr bleibt für kreative und wertschöpfende Entwicklungsarbeit.
Der Markt steht am Anfang
Trotz großer Potenziale steckt die breite Umsetzung lernfähiger Services noch in den Anfängen. Bei HARTING entstehen erste marktreife Anwendungen – etwa KI‑gestützte Konfigurationshilfen, automatisierte Datenpakete oder Digital‑Twin‑basierte Engineering‑Prozesse. Zukünftig entstehen vollständig integrierte, selbstlernende Serviceketten. Die Branche befindet sich in einer spannenden Übergangsphase, in der Unternehmen wie HARTING Schritt für Schritt neue Lösungen etablieren.
Ausblick: Die Zukunft der Automatisierung
Der Wandel hin zu lernfähigen, digitalen Services ist unumkehrbar. KI‑Modelle, Zeitreihenanalysen und digitale Zwillinge werden die industrielle Automatisierung grundlegend verändern. Künftig werden Services nicht nur Aufgaben automatisieren, sondern Kundenbedürfnisse frühzeitig erkennen und passende Lösungen vorschlagen. Die Leistungsfähigkeit steigt mit jeder Interaktion – Systeme werden kontextsensitiver, präziser und flexibler.
Die größte Herausforderung bleibt die Datenqualität. Nur wenn Daten vollständig, strukturiert und konsistent vorliegen, können digitale Systeme eigenständig fundierte Entscheidungen treffen. Doch der Trend ist eindeutig: Die industrielle Automatisierung der Zukunft ist digital, lernfähig und konsequent kundenorientiert.
Digitale Services bei HARTING
Automatisiertes Wissen KI‑gestützte Systeme stellen Produkt‑ und Applikationswissen unmittelbar und konsistent bereit.
Automatisiertes Engineering Repetitive Aufgaben wie Datenableitungen, Dokumente oder Variantenlogiken werden softwaregestützt automatisiert.
Automatisierte Customer Journey KI‑gestützte Empfehlungen, automatische Datenpakete und Digital‑Twin‑Informationen beschleunigen Prozesse und verbessern Entscheidungen.