Vom Produkt zur Prozessintelligenz
Dr. Volker Franke
Position: Geschäftsführer HARTING Applied Technologies
Wie HARTING Applied Technologies den Wandel in der Automatisierung gestaltet
Im Jahr 2025 wurde HARTING Applied Technologies mit dem renommierten Kuratoriumspreis „Innovationspreis Losgröße 1+“ des ife-Netzwerks für Einzelfertiger ausgezeichnet. Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten Neuausrichtung in der Automatisierungstechnik. Der Wandel von einer produktorientierten hin zu einer prozessorientierten Auslegung von Maschinen ist dabei zentral. Durch die Modularisierung und Standardisierung von Mechanik, Elektrotechnik und Steuerungstechnik gelingt es, auch variantenreiche Produkte in kleineren Stückzahlen effizient und flexibel zu fertigen – ein entscheidender Vorteil in einer globalisierten Industrie mit immer individuelleren Kundenanforderungen. Die positiven Effekte zeigen sich in optimierten Kostenstrukturen und verkürzten Lieferzeiten.
Systems Engineering als Schlüssel
Im Sondermaschinenbau von HARTING verändert sich das Engineering grundlegend. Systems Engineering verbindet Mechanik, Elektrotechnik und Software zu einem ganzheitlichen Ansatz. Die Devise lautet: „Intelligenz vor Stahl“. Wo früher mechanische Präzision im Vordergrund stand, übernimmt heute Software zunehmend flexible Aufgaben – etwa kamerabasierte Prüfungen und Korrekturen, die mechanische Lösungen ersetzen. Die Entwicklung erfolgt im Team und wird bereits im Vorfeld simuliert. Der Mehraufwand in Programmierung und Inbetriebnahme wird durch virtuelle Prozesse parallel zum Maschinenbau kompensiert. Digitale Werkzeuge sind dabei unerlässlich, etwa zur exakten Beschreibung von Fähigkeiten einzelner Prozessmodule. Die Asset Administration Shell (AAS) spielt hier eine zentrale Rolle, um Konfigurations- und Integrationsaufwände zu reduzieren, Übersetzungsschwierigkeiten zwischen Mechanik, Elektrotechnik und Steuerungstechnik zu überwinden und ein vollständiges digitales Abbild zu schaffen.
Die Entwicklung beginnt bereits im Vertrieb: Kundenanforderungen werden frühzeitig definiert und lückenlos in die Umsetzung überführt. Prozessmodule vereinfachen diesen Ablauf, da vertriebsrelevante Daten von Anfang an verfügbar sind. Die Bedeutung der Softwareentwicklung wächst rasant – weg von klassischer SPS-Programmierung hin zu komplexen IT-Aufgaben, die eine tiefe Integration in übergeordnete Systeme ermöglichen. So werden Maschinen und Anlagen orchestriert, Wartung und Pflege digital unterstützt und eine kontinuierliche datenbasierte Optimierung der Produktion realisiert. Die Fertigung wird als Gesamtsystem verstanden, in dem wertschöpfende Prozesse und Intralogistik automatisiert und digital integriert sind.
Herausforderungen und Lösungsansätze für die Zukunft
Trotz aller Fortschritte bestehen weiterhin Hemmnisse. Effiziente Simulationswerkzeuge und durchgängige Engineering-Tools sind ebenso gefragt wie Engineering-Support für die elektrische und steuerungstechnische Inbetriebnahme. Künstliche Intelligenz und Machine Learning müssen als einfach nutzbare Werkzeuge in Engineering, Dokumentation und adaptive Steuerungsaufgaben integriert werden. Die AAS sollte durchgängig unterstützt werden, ebenso wie Editoren-Software, die eine nahtlose Zusammenarbeit ermöglicht. Kooperationsplattformen sind notwendig, um Begriffs- und Benennungsdifferenzen zwischen Fachbereichen – etwa zwischen Elektroplanung und SPS-Programmierung – zu überwinden.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die Montageanlagen von HARTING werden nach dem Vorbild von Spritzgussmaschinen gestaltet. Ein Grundsystem wird durch produktspezifische Greifer und Vorrichtungen flexibel angepasst. Die Besonderheit entsteht durch die Kombination aus Hardware und Software, wodurch sich der Automatisierungsgrad auch für Produkte mit niedrigen Stückzahlen deutlich erhöht. Die Prozesse – etwa Zuführung, Montieren, Beschriften und Verpacken – werden als „Skills“ betrachtet, die in einer fähigkeitsbasierten Umgebung einfach adaptierbar sind.
Die Zukunft der Fertigung ist flexibel, intelligent und digital – und HARTING gestaltet sie aktiv mit.
Über HARTING Applied Technologies
HARTING Applied Technologies ist spezialisiert auf innovative Lösungen im Bereich Werkzeugbau, Sondermaschinenbau und Automatisierungstechnik. Mit langjähriger Erfahrung und hoher Ingenieurskompetenz entwickelt und fertigt dieser Geschäftsbereich der HARTING Technologiegruppe maßgeschneiderte Produktionsanlagen, Präzisionswerkzeuge und Automatisierungslösungen für anspruchsvolle industrielle Anwendungen.