Vom Regelwerk zur Autonomie
Constantin Liepert
- Abteilung: Siemens Digital Industries Software
- Firma: Siemens
Automatisierung ist seit Jahrzehnten ein zentraler Baustein industrieller Wertschöpfung. Doch ihre Rolle verändert sich grundlegend. Statt rein regelbasierten Abläufen rücken heute integrierte, datengetriebene Prozesse in den Fokus – eine Entwicklung, die Siemens mit dem Ansatz des „Siemens Xcelerator“ konsequent vorantreibt.
Traditionell wurde Automatisierung als regelbasierte Logik verstanden. Doch moderne Industrieprozesse sind komplexer: Effizienz, Qualität und Geschwindigkeit lassen sich nur steigern, wenn IT und OT nahtlos zusammenwirken. Genau diese Verbindung bildet den Kern des Siemens Xcelerator, der Automatisierungs‑ und Softwarelösungen in einem umfassenden Portfolio, offenen Ökosystem sowie Marktplatz vereint. Automatisierung wird damit breiter gefasst – bis hin zur Autonomisierung, also Prozessen, die datenbasiert Entscheidungen unterstützen oder selbst mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) treffen.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Prozess- und Datendurchgängigkeit.
Mit dem „Digital Thread“ schafft Siemens eine konsistente Datenbasis entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Anforderungen, CAD‑Modelle, Simulationen, Stücklisten, Fertigungsdaten und Serviceinformationen greifen an dieser Stelle in einer durchgängigen Systemlandschaft ineinander. Medienbrüche werden vermieden, Änderungen schneller bewertet, Stücklisten automatisch synchronisiert. Durchgängige Workflows ermöglichen es, dass Anpassungen im Engineering unmittelbar Auswirkungen in Planung, Fertigung oder Service auslösen. Für KI‑gestützte Anwendungen ist diese Datendurchgängigkeit entscheidend, denn nur vollständig vernetzte Engineering‑ und Produktionsdaten erlauben robuste Analysen und echte Prozessoptimierung.
Im Siemens Xcelerator werden End‑to‑End‑Prozesse Realität.
Das Siemens Xcelerator Portfolio deckt alle Phasen in der Wertschöpfungskette ab – von der frühen Anforderung über das Systemdesign bis zur Fertigung und dem späteren Betrieb. Ergänzt durch Industrial Edge Geräte und IoT‑Lösungen entsteht eine nahtlose Verbindung zwischen Feldebene und Cloud. Neue Steuerungen sind Edge‑fähig, und Brownfield‑Anlagen können durch Gateways und offene Schnittstellen integriert werden. Dadurch wird IoT nicht zur Parallelwelt, sondern integraler Bestandteil industrieller Automatisierung.
Ein wegweisender Schritt ist zudem das entstehende „Industrial Foundation Model“ von Siemens, das die Sprache der Industrie versteht und industrielle Daten wie CAD‑Geometrien, Simulationsergebnisse oder Stücklisten verarbeiten kann. Damit werden KI‑Modelle erstmals in die Lage versetzt, komplexe technische Zusammenhänge zu verstehen – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu autonomen Engineering‑ und Produktionsprozessen.
Wie stark dieser Ansatz die Industrie verändern kann, zeigt ein erstes Beispiel aus der Elektromechanik: Bei der Entwicklung von Steckverbindern können Anwender Anforderungen text- oder sprachbasiert eingeben. KI prüft automatisch, ob sich ein bestehendes Produkt eignet oder ein neues Design generiert werden muss. In Kombination mit In Kombination mit Rulestream und Designcenter NX entstehen automatisch komplette CAD‑Modelle die zur jeweiligen Anwendung passen. Weitere Simulationen, mithilfe der Siemens Simcenter Simulationsportfolios berücksichtigen Materialien, Umgebungstemperaturen und andere Faktoren, um die Funktionalität des Designs zu gewährleisten. Ein Prozess, der früher viel manuelle Abstimmung erforderte, wird dadurch maßgeblich beschleunigt. Hier wird sichtbar, wie Automatisierung, Datendurchgängigkeit und industrielle KI zusammenwirken: von der Anforderung bis zum fertigen Produkt.
Damit schließt sich der Kreis zur klassischen Verbindungstechnik: Auch bei der Entwicklung und Fertigung von Steckverbindern entsteht durch durchgängige Daten, integrierte Workflows und KI‑gestützte Automatisierung ein deutlicher Effizienzgewinn. Die Technologien des